Modellbau

Der vielleicht dreisteste Einsatz des Zweiten Weltkriegs – geflogen mit einer Bristol Beaufighter

By 12. Oktober 2020No Comments

Am 12. Juni 1942 flog eine Crew der Royal Air Force mit ihrer Bristol Beaufighter bestehend aus Flight Lieutenant Ken Gatward und seinen Navigator Sergeant Gilbert George Fern einen Einsatz, der später vom Luftfahrt-Autor Philip Moyes als „der wahrscheinlich dreisteste Einsatz des Zweiten Weltkriegs“ beschrieben wurde:

Operation Squabble

Die damalige britische Spezialeinheit Special Operations Executive hatte über das Frühjahr herausgefunden, dass die deutschen Besatzer in Paris jeden Tag zwischen 12:15 und 12:45 eine Parade auf der Champs-Élysées abhielten.

Dies brachte den Kommandierenden General des RAF Coastal Command Sir Philip Joubert de la Ferté (dessen Familie französische Wurzeln hatte) auf eine Idee. Wenn man sich die Umstände überlegt, war diese Idee nicht nur geniale Propaganda und extrem mutig, sondern auch verdammt dreist.

Der General ließ also Ken Gatward, der bereits zahlreiche Tiefflug-Einsätze bei Tageslicht geflogen hatte, antreten und fragte ihn, ob er sich freiwillig für diese halsbrecherische Mission zur Verfügung stellen würde.

Es folgte ein guter Monat der Planung und des Trainings für den Einsatz. Pilot Gatward und Navigator Fern analysierten die besten Routen, um am Tage und im Tiefflug Frankreich zu überqueren, nach Paris einzudringen und nach gelungenem Einsatz sicher wieder nach England zurück zu kehren. Um ihr Hauptziel zu erreichen, flogen sie Trainingsangriffe auf ein Schiffswrack im Ärmelkanal, das von Größe und Anflug her ihrem späteren Ziel recht nahe kam.

Ein Flug für Moral und Hoffnung

Nach einem wegen Schlechtwetter abgebrochenem Versuch am 13. Mai unternahm die Besatzung der Bristol Beaufighter Mk Ic mit der Kennung ND-C und der Seriennummer T4800 am 12. Juni ihren nächsten Versuch. Ihre Ladung war in zwei Teilen sauber gefaltet im Flugzeug verstaut.

Zeitlicher Ablauf von Operation Squabble

11:29:       Bei starkem Regen hob die ND-C von Thorney Island ab.
11:31:        Auf 2000 Fuß setzt die Maschine Kurs auf Paris.
11:58:       Erreichen der franzöische Küste einige Kilometer östlich von Fécamp.
ca. 12:25: Überflug Pariser Vororte mit erstem leichten Flak-Feuer.
12:27:       Vogelschlag im Ölkühler der Steuerbord-Maschine beim Umkreisen des Eiffelturms.
12:28:       Steilkurve über Backbord und Anflug auf die Champs-Élysées auf Höhe des 3. Stockwerks der umliegenden Gebäude.
Keine deutsche Parade und somit keine Soldaten, die unter Beschuss genommen werden konnten.
Erste französische Flagge beschwert mit Metallgewichten wird abgeworfen und soll den Arc de Triomphe einhüllen.
12:29:      Gatward attackiert das Gestapo Hauptquartier im französischen Marineministerium am Place de la Concorde mit 20 mm Geschossen.
Abwurf der zweiten Tricolore-Flagge durch Fern über dem Ministerium.
12:30:     Kurs setzen für den Rückweg nach England.
13:53:     Landung der Bristol Beaufighter auf dem RAF Stützpunkt Northolt.

Hauptziel war eigentlich, die Mittagsparade der deutschen Truppen auf der Champs-Élysées anzugreifen. Der Grund, warum Gatward eine leere Prachtallee antraf war ein Timing-Fehler:
Die deutschen Besatzer hatten 1940 als Machtdemonstration die Uhrzeit in Frankreich an die Berliner Zeit angepasst – also eine Stunde vorgestellt. Somit war die Parade vermutlich bereits seit einer Stunde vorbei.

Andere Berichte vermuten, die Parade sei in der Vorbereitung aufgrund der Verwirrung über das unbekannte Flugzeug unterbrochen worden. Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass sich Gatward und Fern während es gesamten Einsatzes kaum mit Flakfeuer und mit keinem einzigen deutschen Flugzeug auseinander setzen mussten.

Gatward erhielt unmittelbar nach dem Einsatz das Distinguished Flying Cross, sein Navigator Fern die Distinguished Flying Medal.

Die bis dahin als unverwundbar geltenden Gestapo- und SS-Leute um ihr Leben rennen zu sehen, gab sowohl den Parisern einen dringend benötigten Schub ihrer Moral, als auch den Franzosen und britischen Truppen, die in späteren Presseberichten von der mutigen Aktion erfuhren:

In diesem Artikel der Daily Mail könnt Ihr euch einige der Presseillustrationen, Gatwards handschriftlichen Logbuch-Eintrag sowie seine Orden und Medaillen an sehen. (Aufgrund nicht zu klärender Rechte an den Bildern, können wir leider nur den Link anbieten.)

Warum wurde dieser Einsatz mit der Beaufighter geflogen?

Zum einen war hierfür sicher die Erfahrung von Gatward ausschlaggebend. Im 236. Schwadron der Royal Air Force hatte er bereits viel Tiefflug-Erfahrung beim Angriff auf feindliche Schiffe über Dünnkirchen, dem Ärmelkanal und der irischen See gesammelt.

Doch auch das Flugzeug war für den Zweck hervorragend geeignet:
Dank seiner schiebergesteuerten Hercules-Sternmotoren war das Flugzeug vergleichsweise leise. So erhielt es laut einem britischen Journalisten von den japanischen Gegnern angeblich später den Beinamen „flüsternder Tod“.

Die Beaufighter im Nachteinsatz

Dank ihrer Größe und Motorisierung konnte die „Beau“ als schweres Kampfflugzeug geflogen, sehr effektiv bewaffnet und vielseitig eingesetzt werden. Neben Angriffen mit schweren Torpedos war das Flugzeug besonders im Nachteinsatz unentbehrlich, denn es war als einziges in der Lage, die sperrige Ausrüstung für das Abfangradar mit sich zu führen, ohne Abstriche bei der Reichweite oder Bewaffnung zu machen.

Unser Bausatz zur Bristol Beaufighter IF

Gatward und Fern flogen ihre Operation am Tag, unser neuestes Modell der Bristol Beaufighter ist hingegen eine Variante als Nachtjäger:

Beaufighter IF Nightfighter in 1:48 (Revell Shop-Link)

Dieser Bausatz auf dem anspruchsvollsten Level 5 ergibt aus 188 Einzelteilen ein fertiges Modell mit einer Länge von 26,6 cm und einer Spannweite von 36,7 cm. Ihr erhaltet somit eines der ersten Flugzeuge, das für die Nachtjagd mit Radar ausgerüstet wurde. Versteckt im eigenen Bomberstrom warteten sie darauf, dass das nach hinten gerichtete Radar angreifende gegnerische Nachtjäger erfasste, um sich dann auf diese zu stürzen.

Highlights des Bausatzes:

  • Cockpit mit Konsolen und Instrumentenbord
  • Separates Seitenruder
  • V-Heckleitwerk mit separaten Höhenrudern
  • Detaillierte Hercules-Motoren
  • Separate Querruder und Klappen
  • detaillierte Abziehbilder
  • Bebilderte, mehrsprachige Bauanleitung,

Alternativer Bausatz

Bristol Beaufighter TF. X

Dieser schon etwas länger im Revell Programm erhältliche Bausatz ergibt eine Modellnachbildung der Beaufighter, die in der Version TF.X hauptsächlich für Tiefangriffe gegen Schiffe eingesetzt wurde und mit einem Torpedo und MGs bestückt war.

Einige Highlights hier:
• Kabine für den Bordschützen
• detailliertes Heckspornrad
• separate Querruder und Klappen
• detailliertes Fahrwerk mit Einzugsstreben
• ein Torpedo
• Abziehbilder für No.489 Sqn und No.254 Sqn. der RAF

Inspirationen zum Bau

Wie immer haben wir für euch auch einige Inspirationen zum Bau recherchiert.

Eine Menge Bilder, technische Informationen und weitere nützliche Links findet Ihr im englischsprachigen Wikipedia-Beitrag

Hier seht Ihr die Restauration einer Beaufighter

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Und hier hat jemand seinen Rundgang um eine Bristol Beaufighter TFX im RAF Hendon Museum London gefilmt:

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